Bloggen für die Wissenschaft

Wissenschaftskommunikation hat in jeder Zeit ihre Tücken. Nicht wenige Leser, die sich eigentlich für wissenschaftliche Inhalte interessieren und durchaus fähig wären, sie zu verstehen, scheiterten und scheitern bis heute an der Sprachbarriere. War einstmals Latein die Sprache der Gelehrten, ist es heute Englisch. Das hört sich im ersten Moment eigentlich noch nicht einmal so schlimm an, lernt doch jeder in der Schule Englisch, und wenn alle Stricke reißen, gibt es ja immer noch Tools wie den Google Translator. 

Aber Englisch ist nicht gleich Englisch. Einen Zeitungsartikel lesen klappt noch bei vielen. Einen wissenschaftlichen Fachartikel in englischer Sprache, in dem es von Begriffen nur so wimmelt, die man in der Schule nie gelernt hat, lesen und verstehen zu können, bleibt nicht nur aus fachlichen, sondern auch aus sprachlichen Gründen einer Minderheit vorbehalten, die sowohl die Fremdsprache mit diesem exotischen Vokabular als auch die Fachsprache korrekt entziffern kann. Es ist also kaum verwunderlich, dass deutsche Zeitungen, Zeitschriften und das Fernsehen sich meistens nur auf eine Pressemitteilung stützen, die zu einem Fachartikel veröffentlicht wurden, ohne die Studie selbst auch nur eines Blickes gewürdigt zu haben. In der Pressemitteilung steht aber, was die Urheber der betreffenden Studie gerne als Fazit verbreitet haben wollen, und das ist leider nicht immer dasselbe, was man aus dem Volltext herauslesen könnte, würde er nur ebenfalls gelesen. 

Wissenschaftliche Ergebnisse sind zwar in den Medien allgegenwärtig, kommen aber gewissermaßen nur als dritter Aufguss beim Leser an: Der Redakteur schreibt in der Zeitung das, was er der Pressemitteilung entnehmen zu können glaubt. Die Pressemitteilung enthält das, was die Wissenschaftler an ihrem Ergebnis für verbreitenswert halten. Und die zugehörige Studie ist ebenfalls schon ein Ergebnis eines Selektionsprozesses gewesen, dem ein Teil der Informationen im vorhinein zum Opfer gefallen ist, die möglicherweise von Bedeutung gewesen wären.

All das passiert unweigerlich auch beim besten Willen aller Beteiligten um Wahrheitstreue. Jeder kennt aus eigener Erfahrung die manchmal verblüffenden Veränderungen, die sich an einer harmlosen Sachinformation ergeben können, wenn sie mehrere Stationen passieren muss. Man nennt das auch „Stille-Post-Syndrom“ nach dem bekannten Kindergeburtstags-Spiel. Ist aber dieser gute Wille nicht vorhanden, weil etwa bestimmte Ergebnisse als erwünscht und andere als unerwünscht gelten, dann wird dem Zeitungsleser mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht die Wahrheit vorgesetzt, sondern höchstens eine auf den ersten Blick einigermaßen plausibel wirkende Halbwahrheit. Manchmal ist es auch eine glatte Lüge. 

Sind beim Tabak, dem Rauchen und dem sogenannten Passivrauch und allem, was damit zusammenhängt, bestimmte Ergebnisse erwünscht? Vermutlich wird niemand widersprechen, wenn ich feststelle: Es ist so, daran kann es keinen Zweifel geben. Die nächste Frage lautet dann zwangsläufig, ob bei diesem Thema dann eigentlich ergebnisneutral geforscht und berichtet wird, also der gute Wille vorhanden ist, auch unerwünschte Ergebnisse wahrheitsgetreu an die Öffentlichkeit zu bringen. 

Sie ahnen vermutlich schon, worauf ich hinauswill: Leider ist das nicht der Fall. Im Gegenteil: So viel geschönt, getrickst und gelogen wird wohl bei kaum einem anderen wissenschaftlichen Fachgebiet. Das ist umso bedenklicher, als zum einen sehr viel Geld für Forschungen über die Wirkung des Rauchens und des Passivrauchens auf Raucher und Nichtraucher ausgegeben wird, Geld, das sinnlos verschleudert ist, wenn die Ergebnisse schon von vornherein feststehen, und das an anderer Stelle fehlt, wo es sinnvoll eingesetzt wäre. Zum anderen ist die Tabuisierung des Tabakrauchs inzwischen so weit fortgeschritten, dass Kopf und Kragen – oder jedenfalls seine Karriere – riskiert, wer als Wissenschaftler die „falschen“ Ergebnisse präsentiert. 

Hinter dieser Tabuisierung mit all ihren aus wissenschaftlicher wie gesellschaftlicher Sicht verheerenden Folgen steht eine Organisation, die wegen ihres Ansehens nahezu unantastbar ist und die es im Grunde eigentlich auch nur gut meint: die Weltgesundheitsorganisation WHO. Wenn aber eine Weltmacht, die in guter Absicht handelt, auch sachlich begründeten Widerspruch nicht mehr duldet, wird sie zu einer Gefahr für alle, in deren Sinne sie zu handeln glaubt. 

Ausführlich geschildert habe ich meine eigenen Erlebnisse in diesem Zusammenhang in meinem Buch „Passivrauchen – Götterdämmerung der Wissenschaft“. Dieser Blog ist dazu gedacht, das Buch zu ergänzen. Einmal zur inhaltlichen Vertiefung. Denn natürlich ist es ganz unmöglich, auf 280 Buchseiten, die eine umfassende Gesamtsicht der Problematik bieten sollen, mit der nötigen Genauigkeit ins Detail zu gehen. Aber nicht zuletzt natürlich auch als dessen Fortschreibung, denn nahezu täglich gibt es Neues – oder jedenfalls vermeintlich Neues – in den Medien zum Thema Rauchen. Seit Erscheinen des Buches ist so viel geschehen, dass man nach nicht einmal einem Jahr fast schon wieder das nächste Buchprojekt in Angriff nehmen könnte. Aber man könnte stattdessen auch einfach unter die Blogger gehen. Ich habe mich also zu letzterem entschlossen. 

In loser Folge werden ich Sie in diesem Blog informieren über 

  • die Studien: Was wirklich in ihnen steht, obwohl davon nichts in den Nachrichten kommt. Welche Schlussfolgerungen aus ihnen zu ziehen sind. Was in ihnen fehlt, obwohl es eigentlich naheliegend und wichtig gewesen wäre. Wer die Urheber sind und welche Rolle sie spielen.
  • die Akteure: Was die WHO wirklich plant. Welche Rolle die Pharmaindustrie spielt. Warum die Politik bereitwillig mitmacht.
  • die Folgen: Welche Nebenwirkungen hatten bereits umgesetzte Nichtraucherschutzmaßnahmen? Welche Nebenwirkungen würden andere, von der WHO geforderte Maßnahmen haben?
  • die Alternativen: Wie erfolgreiche Prävention aussehen könnte. Wonach man forschen sollte und wie man dabei vorgehen müsste. 

 Was aber bewegt mich dazu, ausgerechnet eines der wenigen Themen, in dem die gesamte Wissenschaft einer Meinung zu sein scheint, nämlich die Lehre von der Gefährlichkeit des Passivrauchens, gegen den Strich bürsten zu wollen? 

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Es ärgert mich maßlos, wie fahrlässig die Kollegen aus der Epidemiologie mit dem Leben und der Gesundheit von Menschen umgehen, die mein ganzes Berufsleben lang der Dreh- und Angelpunkt meiner Arbeit gewesen sind. Sie tun das einerseits, so mein Eindruck, um irgendwelche Dogmen aufrechterhalten zu können, aber andererseits auch, weil sie sich von einem monokausal-deterministischen Denken nicht lösen können, das mir in der Wissenschaft inzwischen wie ein Anachronismus erscheint. Es ist aber halt bequemer, weil es zu unseren von klein auf eingeschliffenen Denkmustern passt. 

Solange die medizinische Wissenschaft sich nicht dazu entschließen kann, sich einem systemorientierten Ansatz zuzuwenden, wird sie möglicherweise nur noch im direkten Molekularbereich Erfolge aufweisen können, aber nicht mehr in einem Wissenschaftssystem, das am Menschen herumlaboriert, mit all den damit verbundenen dynamischen Wechselwirkungen, von gesellschaftspolitischen Konsequenzen bis zu individuellen psychosozialen Fehlentwicklungen, von methodischer Fehlinterpretation bis zur Ideologisierung und Politisierung der Wissenschaft.

Professor Dr. Günther Ropohl hat gerade zu diesem übergreifenden Ansatz jüngst ein beachtenswertes Fachbuch („Allgemeine Systemtheorie“, erschienen im Verlag edition sigma) veröffentlicht, das ich an dieser Stelle auch und gerade all jenen ans Herz legen möchte, die sich manchmal frustriert fragen, warum die auf dem Papier so schönen epidemiologischen Ergebnisse so wenig praktische Verbesserung mit sich bringen, wenn man sie in der Praxis umzusetzen versucht. 

Monokausaldenken hat nicht nur dazu geführt, dass sich unbewusst – auch wenn das immer bestritten wird – der feste Glaube verwurzelt hat, durch Elimination eines bestimmten Schadstoffs, nämlich Tabakrauch, ließe sich die Menschheit von Krankheit und Tod befreien. Es hat auch dazu geführt, dieselbe Menschheit, die ja ohnehin schon wegen der unterschiedlichsten und oft völlig abstrusen Nichtigkeiten gegeneinander aufgehetzt werden kann, nun auch noch als Raucher und Nichtraucher in gegnerische Lager zu drängen, und das ist fast noch frustrierender als alles andere. Die Weltwirtschaft steht am Abgrund, wir taumeln von Krise zu Krise, und niemand weiß, welche Folgen daraus noch entstehen können. Aber erfahrungsgemäß richten sich Aggressionen, die durch wirtschaftliche Existenzängste entstehen, gerne gegen diejenigen, gegen die einem von außen Feindseligkeit eingeimpft worden ist. 

Dieser Blog soll nicht nur meiner Stimme Gehör verschaffen, sondern auch anderen, die ihre nicht zum Mainstream passenden Thesen aus Angst vor den Folgen anderswo nicht unterbringen. Je nachdem, welche Qualität ihre Argumentationsketten und Belege aufweisen, kann man im offenen Austausch ihrer These der ihr gebührende Rang zuzuordnen. Es sind aber auch Beiträge willkommen, die aufzeigen, welche verheerenden Folge Dauerangriffe auf den persönlichen Freiheitsraum haben und wie erfinderisch Völker und deren mafiöse Organisationen auf „Prohibitionsgesetze“ mit Ausweichbewegungen reagieren. 

Auch Kommentare und sich daraus ergebende fachliche Diskussionen – ob mit Fachleuten oder mit Laien, ob unter Klarnamen oder unter Pseudonym – sind natürlich erwünscht und werden gerne auch für Korrekturen/Ergänzungen oder auch für neue Blogartikel aufgegriffen. Nicht geduldet werden aber Verleumdung, Denunziation, Beleidigung und üble Nachrede. Da das übliche halbe Dutzend heiliger Krieger, das jede Diskussion zum Tabakthema zu sabotieren versucht und mir aus anderen Medien bereits bekannt ist, wohl eher früher als später auch hier auftauchen wird, bitte ich um Verständnis dafür, dass der Kommentarbereich moderiert wird und ich mir die Nichtfreischaltung von Kommentaren vorbehalte, die nur dafür gedacht sind, die Diskussion zu stören. 

Prof. Dr. med. Romano Grieshaber

 

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