Das DKFZ und der Dieselruß

Im Sommer ging es durch alle Medien: Die WHO hatte Dieselruß in die höchste krebserregende Kategorie eingestuft. Lange genug hat es gedauert, denn in dringendem Krebsverdacht stand er ja schon lange, und wie viele andere war ich schon seit den achtziger Jahren der Meinung, „Krebsverdacht“ sei eine gewaltige Untertreibung. 

Jetzt sollte ich aber auch erklären, warum ich mich auf einmal ausgerechnet auf die WHO berufe, deren Haltung beim „Weltkrieg gegen die Raucher“ ich ja immer so vehement kritisiere.

Die Antwort lautet: Das Urteil der International Agency on Cancer Research (IARC) der Weltgesundheitsorganisation in Lyon hat für mich aus mehreren Gründen einen anderen Stellenwert als dasjenige der WHO Tobacco Free Initiative. Diese Gründe liegen vor allem in der Zielsetzung, die sich schon in den jeweiligen Namen deutlich ergibt: Die IARC hat das Ziel, Krebs zu erforschen. Die Tobacco Free Initiative hat das Ziel, die Welt tabakfrei zu machen. 

Wo die IARC aus ihrer Zielsetzung heraus durchaus in der Lage ist, einen bestimmten Stoff von der Krebsgefährlichkeit freizusprechen, und ein solches Szenario auch auf jeden Menschen vernünftig wirkt, ist im Gegenzug ziemlich schwer vorstellbar, dass die Tobacco Free Initiative eines Tages vor die Medien treten und verkünden könnte, es habe sich nach ausgiebigen Studien nun herausgestellt, dass Tabak für dieses oder jenes Übel – nehmen wir etwas Harmloses als Beispiel; sagen wir: Nägelkauen – obwohl man ursprünglich ganz sicher war, es könne nur das Rauchen daran schuld sein, nun doch nicht verantwortlich ist. Denkbar ist bestenfalls, dass die Sache mit Schweigen übergangen würde. Und sollte man nicht umhin kommen, zu der Sache Stellung zu nehmen, dann würde man den Freispruch in dieser Sache einem halben Satz streifen und mit möglich großem Nachdruck unterstreichen, an wie vielen anderen Dingen das Rauchen neben dieser einen, für die es nicht verantwortlich ist, nachweislich schuldig sei. Das liegt in der Natur der Zielsetzung, und es ist für sich genommen auch legitim. Man sollte es nur beim Anhören von Verlautbaren jener Institution in Betracht ziehen, dass sie bezogen auf den Stoff, den sie bekämpft, gar nicht unparteiisch sein kann.   

Am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, kurz: DKFZ, sitzt eine Filiale der WHO Tobacco Free Initiative, ein sogenanntes „WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle“. 

Jetzt muss ich doch noch einmal kurz unterbrechen:

Immer mal wieder beschwert sich ja jemand darüber, dass die böse Tabaklobby den armen Heidelberger Forschern einen so bösen Schandnamen anzuhängen versuche. Aber die Tabaklobby kann in diesem Fall nichts dafür, und ich genausowenig: Die nennen sich dort wirklich so. Obwohl sie auf diesen Namen nicht mehr ganz so stolz zu sein scheinen wie früher, jedenfalls steht er neuerdings auf der Website nur noch an unauffälliger Stelle, und was die Aufgaben eines solchen Kollaborationszentrums sind, wird auch nicht mehr erklärt. Erreichen kann man den Webauftritt des Kollaborationszentrums nach wie vor über die URL www.tabakkontrolle.de, aber den Begriff „WHO-Kollaborationszentrum“ sucht man nunmehr vergeblich. 

Aber zurück zur Sache. Die Einstufung von Dieselruß in die höchste krebserzeugende Kategorie wurde, wie erwähnt, von der WHO-IARC in Lyon vorgenommen. Das geschah aber nach meinen Informationen nicht einstimmig. Eine vehemente Gegnerin dieser Höherstufung soll die Abgesandte des DKFZ Heidelberg gewesen sein. 

Ein Echo dieser Haltung ließ sich bei Kenntnis dieses Sachverhalts auch aus einem Interview herauslesen, das am 15.6.2012 unter anderem auch in der Rhein-Neckar-Zeitung zu lesen war. „…ich denke in Europa besteht kein so extremer Handlungsbedarf“, flötete da die DKFZ-Mitarbeiterin. „… bei Fahrzeugen auf der Straße ist ja schon so viel geschehen.“ 

Das wirft eine Reihe von Fragen auf:

  • Warum bagatellisiert das DKFZ das Dieselrußrisiko?
  • Warum verlässt es das Prinzip der „Nullhypothese“ bei krebserzeugenden Gefahrstoffen, das es ja beim Passivrauchen mit aller Vehemenz vertritt?

Schließlich lässt sich kaum abstreiten, dass auch beim Nichtraucherschutz längst viel geschehen ist; Deutschlands Gastronomie ist buchstäblich von beinahe Null auf immerhin zwei Drittel Nichtrauchergastronomie katapultiert worden. Das DKFZ ist in diesem Fall aber ganz und gar nicht der Meinung, was geschehen ist, sei bereits genug, sondern erweckt den Anschein, als fände es erst wieder seinen Seelenfrieden, wenn auch die letzte Raucherkneipe gewaltsam zum Nichtrauchen verdonnert worden ist. 

Diese Fragen habe ich dem DKFZ gestellt. Eine Antwort blieb, kaum überraschend, bis heute aus. 

Nun ist das DKFZ natürlich weit mehr als nur ein WHO-Anhängsel. Aber Tatsache ist auch, dass unter seinem Dach ein WHO-Kollaborationszentrum sitzt, das der WHO Tobacco Free Initiative angehört, bei der wir uns vorhin einig geworden sind, es sei ziemlich schwer vorstellbar, sie träte vor die Presse, um zu verkünden, dass der Tabak immerhin wenigstens von dem Vorwurf freigesprochen werden könne, am Übel des Nägelkauens schuld zu sein.

Vielleicht kann man ja einfach keinen Gefahrstoff brauchen, der in Konkurrenz steht zu demjenigen, von dem die WHO Tobacco Free Initative ausweislich ihres Namens die Welt gerne befreien möchte?

Prof. Dr. med. Romano Grieshaber

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2 Antworten zu Das DKFZ und der Dieselruß

  1. Hauke 'Haien schreibt:

    Freiwillige (Nichtraucheraktivisten) gesucht!

    Ist Dieselruß im Vergleich zu Passivrauch wirklich ein Gesundbrunnen?
    Lasst es uns gemeinsam austesten und den Garagenversuch live wiederholen!

    Zwei handelsübliche, verschließbare Garagen könnte ich anbieten…. Freunde und Bekannte, die zusammen mit mir bereit wären, in der einen Garage jeweils drei Zigaretten pro Person zu rauchen, ebenfalls…. Allein, uns fehlen die Freiwilligen, die 30 Minuten in der Garage mit dem laufenden Dieselmotor bei verschlossenem Garagentor ausharren….
    Aber vielleicht finden sich ja auf diesem Wege einige Mutige, die Willens sind, den ultimativen Beweis für die Schädlichkeit des Passivrauchens anzutreten.
    Feinstaub hin, Feinstaub her. Man muss auch mal was riskieren im Leben. Oder?
    No risk, no fun!

    Ich wage jedoch die vorsichtige Prognose: Meine Freunde und ich werden die zugequalmte Garage unbeschadet wieder verlassen. Nicht so vermutlich unsere nichtrauchenden Mitstreiter. Aber keine Sorge: Wir informieren hinterher die Angehörigen – Versprochen! Außerdem: Eine Kohlenmonoxidvergiftung ist meist gar nicht so schlimm wie sie sich im ersten Moment anhört. Lasst Euch davon also nicht kirre machen! Man entschlummert mehr oder weniger friedlich und schmerzfrei. Vergesst nicht, ihr lieben militanten Nichtraucher: Der Einsatz eures Lebens wäre für eine gute Sache! Milliarden dürften es Euch danken.
    Schrieb ich eben wirklich „danken“? Ich sollte doch lieber etwas zurückhaltender sein: Vielleicht kullern bei den Milliarden auch nur unzählige Tränen über die Wangen – vor Lachen. Und ihr, liebe nichtrauchende Mitstreiter am Garagenversuch, werdet posthum nominiert für die Darwin Awards 2013. Das schafft auch nicht jeder!

  2. Johannes Häfner schreibt:

    wieder ein wunderbarer Artikel gespickt mit vielen Informationen die man in den Mainstream-Medien vergeblich sucht. Weiter so !

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