Offener Brief an Frau Dr. Martina Pötschke-Langer

Sehr geehrte Frau Kollegin,

Sie und mich verbindet mehr, als man auf den ersten Blick glauben sollte. Dazu zählt nicht nur die räumliche Nähe von Leimen und Heidelberg. Wir gehören auch in etwa derselben Generation an, und nur noch ein paar Jahre, dann treten auch Sie in den Ruhestand ein, so wie ich vor wenigen Jahren. Dass aber mich, den lebenslangen Nichtraucher, mit Ihnen, der Ex-Raucherin, ausgerechnet das Rauchen einmal in solchem Maße verbinden – in Gegnerschaft verbinden – würde, wie es in den letzten Jahren der Fall gewesen ist, hätte ich mir wahrhaftig nicht träumen lassen. Gestatten Sie mir, ein weiteres Mal auf dem Weg eines offenen Briefes mit Ihnen in Verbindung zu treten, auch wenn diese Verbindung vermutlich einseitig bleiben wird. Was ich mich nämlich frage: Wie viel von dem, was Sie öffentlich vertreten, glauben Sie eigentlich selbst auch noch nach Feierabend? Und wie viel davon würden Sie auch dann vertreten, wenn Sie damit in Medien und Gesellschaft auf stärkeren Widerspruch stoßen würden?

Von einigen Ihrer bekanntesten Verlautbarungen bin ich sicher, dass Sie selbst sie nicht glauben. Das gilt etwa für das Umfrageergebnis, das Sie jüngst in den Medien lanciert haben. „Vier von fünf Deutschen stimmen für konsequenten Nichtraucherschutz“, behauptete Ihre Pressemitteilung in der Überschrift. Die Medien übersetzten sich das dann so: „Laut Umfrage 80 Prozent für striktes Rauchverbot in Kneipen“. Das schreiben Sie so zwar in der Pressemitteilung nirgends, aber diese Übersetzung liegt nahe, denn als „konsequenter Nichtraucherschutz“ wurde seinerzeit in Bayern ein ausnahmsloses Rauchverbot propagiert. Näher betrachtet hatten die Befragten sich allerdings lediglich für eine der folgenden beiden Wahlmöglichkeiten zu entscheiden:

•          Grundsätzlich begrüße ich ein Rauchverbot in Gaststätten.

•          Ich lehne ein Rauchverbot in Gaststätten grundsätzlich ab.

Es geht hier also weder speziell um Kneipen, noch lässt sich sagen, wie die Befragten speziell zum Rauchen in Kneipen stehen. Wer zu dieser Frage „Nein“ sagt, der hält, nimmt man an, dass mit den beiden Fragen das komplette Spektrum möglicher Antworten abgedeckt sein soll, Rauchverbote vielmehr ausnahmslos und in allen Arten von Gaststätten von vornherein für falsch. Was aber der meint, der „Ja“ gesagt hat, lässt sich nicht sicher sagen.

Natürlich ist die Sache in Wirklichkeit aber sogar noch komplizierter. Die beiden Fragen lassen so viel Spielraum für Interpretationen (auch bei den Callcenter-Leuten, die Anrufern die Frage stellen und alleine schon durch ihre Betonung eine bestimmte Bedeutung suggerieren können), dass man in Wirklichkeit auch bei der Antwort „Nein“ nicht sicher sagen kann, was derjenige meinte, der sie gegeben hat. Mit anderen Worten: Die Ergebnisse dieser Umfrage sagen tatsächlich überhaupt nichts aus. Nach einer Umfrage von infratest dimap, die jüngst im Handelsblatt zitiert wurde, lehnen aber jedenfalls in NRW mehr als die Hälfte der Befragten das dortige ausnahmslose Rauchverbot ab, während nur 38 Prozent es befürworten. Dies lässt ahnen, dass es um die Zustimmung zu Totalrauchverboten in der Gastronomie in Wirklichkeit ganz anders bestellt ist, als es die Medien auf Basis Ihrer suggestiv formulierten Pressemitteilung behaupten.

Ich schaue mir dieses Spiel jetzt ja schon ein paar Jahre lang an, denn der Zweiseiter aus Ihrem Hause mit den Ergebnissen dieser Umfrage erscheint in jährlichem Rhythmus. Da Sie den ebenfalls jedes Jahr wiederholten und jedes Mal unweigerlich falschen medialen Interpretation des Inhalts der Fragestellung nie widersprochen und auch Ihre eigene Wortwahl nicht verändert haben, um künftig nicht mehr missverstanden zu werden, liegt die Vermutung nahe, dass solche Missverständnisse von Ihrer Seite her ausdrücklich erwünscht sind. Die Mehrheit der Leser solcher Meldungen, die ein ausnahmsloses Rauchverbot in der Gastronomie höchstwahrscheinlich ablehnt oder wenigstens für überflüssig hält, soll offenbar glauben, dass sie mit ihrer Meinung in der Minderheit sei. Dass die Meinung der Mehrheit eine Sogwirkung ausübt, ist Werbestrategen spätestens seit den Zeiten Edward Bernays‘ – Neffe von Sigmund Freud und unfreiwilliger Inspirator von Joseph Goebbels – bekannt. Wie man der in der Tat zu beobachtenden Zunahme der „grundsätzlichen“ Zustimmung zu Rauchverboten in der Gastronomie entnehmen kann, funktioniert diese Methode der Meinungsmanipulation bis heute noch ganz ausgezeichnet.

Haben Sie sich eigentlich jemals gefragt, was es für den tatsächlichen Wert der Sache bedeutet, die Sie vertreten, wenn es solcher machiavellistischen Winkelzüge bedarf, um sie erfolgreich öffentlich vertreten zu können? Hand aufs Herz: Beschleichen Sie nicht doch manchmal selbst leise Zweifel daran, ob Sie auf der richtigen Seite stehen? Wenn ich versuche, nachzuvollziehen, was Sie antreibt, und dabei all die profanen Gründe ausklammere, die dabei auch in Frage kommen oder nebenbei eine Rolle spielen könnten – Ihre herausgehobene Stellung als Leiterin des WHO-Kollaborationszentrums, dass Sie für das, was Sie tun, gut bezahlt werden und vielleicht ja auch noch weitere Vergünstigungen genießen und so weiter –, dann fällt es mir eigentlich ja gar nicht schwer zu begreifen, wie Sie in Ihre derzeitige Rolle hineingeraten sind. Bei dem Kampf gegen das Rauchen geht es ja um ein Ziel, das jedem anständigen Mediziner am Herzen liegen muss: Möglichst viele Menschen vor schweren und oft tödlichen Erkrankungen zu bewahren.

Verloren haben Sie mein Verständnis aber in dem Moment, als Sie der Versuchung nicht widerstanden haben, die Manipulation von Ergebnissen als vermeintlich gerechtfertigtes Mittel einzusetzen, um das so wichtige Ziel nicht zu gefährden. Auch die Versuchung kann ich dabei noch nachvollziehen. Wem, fragt sich bestimmt der eine oder andere, wird denn Schaden zugefügt durch die Suggestion, es gäbe eine viel größere Zustimmung zu ausnahmslosen Rauchverboten in der Bevölkerung, als es den Tatsachen entspricht? Aber die Täuschung in diesem Fall ist erstens kein Einzelfall, sondern dieses Vorgehen hat bei Ihnen seit vielen Jahren Methode. Zweitens bedeutet es, dass Sie die unmanipulierten Argumente für Ihre Sache offenbar selbst nicht für überzeugend halten. Die Beugung wissenschaftlicher Methoden und/oder deren wissentliche Fehlinterpretation ist drittens nicht nur eine Entwertung wissenschaftlicher Redlichkeit und Freiheit, ihr Ergebnis besteht zwangsläufig in einem Abdriften in die Unwissenschaftlichkeit. Und die gefährdet das angestrebte Ziel. Es muss letztlich auch Ihnen klar sein, dass Sie auf diese Weise nur Potemkinsche Dörfer der Epidemiologie bauen. Dass die gesundheitspolitischen Erfolge, die Sie der Öffentlichkeit verkünden, in Wirklichkeit gar keine sind, ist Ihnen sicherlich ebenso gut bewusst wie mir. Ein Erfolg tritt dann ein, wenn eine Maßnahme von einem Rückgang der Erkrankungshäufigkeit gefolgt wird. Diesen Rückgang nur vorzutäuschen, wie im Fall der Herzinfarktwunder, beeindruckt vielleicht Politik und Öffentlichkeit, aber auf einen wirklichen gesundheitlichen Nutzen, mit dem Sie sich am Ende vor sich selbst rechtfertigen könnten, warten Sie in Wirklichkeit doch immer noch. Fragen Sie sich zuweilen vielleicht sogar, ob er wirklich noch kommen wird?

Er wird nicht kommen, da bin ich ziemlich sicher. Welche Folgen auch immer das aktive Rauchen für sich alleine haben mag, Sie sorgen ja selbst aktiv dafür, dass sich, je mehr Raucher drangsaliert werden, die Folgen für ihre Gesundheit noch weiter verschlimmern müssen. Das aber ist dann nicht mehr die Schuld von Philip Morris  – Sie sind dafür hauptverantwortlich. Und wie positiv die gesundheitliche Wirkung des Rauchstopps tatsächlich ausfällt, die man dem gegenüberstellen könnte, müsste man aus all diesem Wust von Marketing-„Wahrheiten“, die in Wirklichkeit gar keine sind, erst einmal herausklauben. Gesundheitlicher Nutzen Ihrer Aktivitäten minus deren gesundheitlicher Schaden: Was mag dabei herauskommen? Solange niemand das untersucht, muss die Frage offen bleiben, aber ich tippe im allergünstigsten Fall höchstens auf ein Nullsummenspiel. Die Folgen Ihres Kampfs gegen die E-Zigaretten wären wiederum ausgerechnet dann, wenn Sie beim aktiven Rauchen mit jedem einzelnen Wort recht behalten würden, geradezu als verheerend zu bezeichnen.

Dass Sie der Politik suggerieren, es ließen sich durch die von Ihnen angestrebten Maßnahmen, wenigstens mittelfristig, Gesundheitskosten sparen, ist dagegen nicht nur fraglich, sondern eine glatte Lüge. Sie und ich wissen genau, dass die Gesundheitskosten in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren in jedem Fall erheblich steigen werden, und das ganz unabhängig vom Rauchen: durch die alternde Bevölkerung. Aber davon einmal abgesehen sind die Gesundheitskosten in den „fortgeschrittenen“ Antirauchernationen im Vergleich zu den unseren keineswegs in geringerem Maße angestiegen oder gar gesunken. In den USA gab es sogar parallel zum Rückgang des Bevölkerungsanteils der Raucher einen besonders hohen Anstieg der Gesundheitskosten. Was, wenn dies bei uns mit zunehmendem Fortschritt im Kampf gegen das Rauchen ebenfalls geschieht?

Die Unterstützung der Öffentlichkeit haben Sie sich gesichert, indem Sie die nichtrauchende Mehrheit gegen die rauchende Minderheit aufgehetzt haben. Diese Strategie trägt unbekömmliche Früchte, das lässt sich in den Kommentarbereichen jeder x-beliebigen Zeitung nachlesen. Dass Sie sich dabei strikt an eine emotionsfreie „wissenschaftliche“ Sprachregelung halten, kann nicht verbergen, dass die angestrebte Wirkung darin besteht, bei Lesern Emotionen zu erzeugen. Natürlich haben Sie beispielsweise selbst noch niemals gesagt: „Raucher raus aus allen Mietwohnungen!“ Sie sagen stattdessen Dinge wie: „Rauchen in Mietwohnungen ist generell ein Problem, durch ein solches Urteil können Wohnungsnachbarn besser geschützt werden.“ Es sind die Leser, die sich das dann als: „Raucher raus aus allen Mietwohnungen!“ übersetzen. Entsprechendes gilt für Aussagen, in denen Rauchern in derselben roboterhaften, vorgeblich neutralen Sprache ihre angeblichen Produktivitätsausfälle (der Leser übersetzt: „Raucher raus aus meinem Betrieb!“) oder ihre Krankheitskosten (der Leser übersetzt: „Raucher raus aus der Krankenversicherung!“) vorgerechnet werden. Es bedarf keiner wertenden Sprache, denn die Wertung liegt im Inhalt der Aussage.

Die Leser verstehen bei der Deutung Ihrer Wertung offensichtlich auch nichts falsch, denn bis heute habe ich noch nicht ein einziges Mal erlebt, dass Sie versucht hätten, eine solche Wiedergabe als Missverständnis richtigzustellen, auch dann nicht, wenn sie in menschenverachtendes Vokabular und menschenverachtende Forderungen entgleiste. Ihr Schweigen werte ich als stillschweigende Billigung solcher Äußerungen. Wenn aber Raucher in Mietshäusern „generell ein Problem“ sein sollen, sollten Sie außerdem die Katze schon aus dem Sack lassen und verraten, wie denn Lösungsvorschläge für dieses Problem Ihrer Vorstellung nach aussehen müssten. Würden Sie es denn begrüßen, wenn Raucher vor die Wahl Rauchen oder Obdach gestellt werden, wie dies in manchen Ländern bereits praktiziert wird? Und wie lauten Ihre Empfehlungen für den Umgang mit denjenigen Rauchern, die sich dann für das Rauchen entscheiden oder beim heimlichen Rauchen in ihrer Wohnung ertappt werden?

Sie beteiligen sich seit etlichen Jahren aktiv und systematisch an einer sozialen Spaltung der Gesellschaft mit dem Ziel einer Ächtung der Raucher, und das sehr erfolgreich, denn diese ist in einem Ausmaß fortgeschritten, wie es sich noch 2005, dem Jahr, als Sie die 3301 Passivrauchtoten verkündet haben, niemand hätte vorstellen können. Ich möchte Ihnen gerne glauben, dass Sie das einmal aus aufrichtiger Überzeugung, der Gesellschaft damit Gutes zu tun, begonnen haben. Glauben Sie aber auch im Jahre 2013 immer noch daran, dass Sie damit auf dem richtigen Weg sind, um die Menschen gesünder zu machen, oder müssen Sie manchmal nicht doch gegen ungute Gefühle ankämpfen? Haben Sie dabei vielleicht gar das Gefühl, Sie könnten es sich gar nicht erlauben, unguten Gefühlen nachzugeben? Weil, wer A gesagt hat, ja auch B sagen müsse?

Sie wissen ja sehr genau, wie ich selbst samt meinen Mitarbeitern ins Fadenkreuz geraten bin, als die Ergebnisse unserer Forschung – noch dazu der für Deutschland größten und aussagefähigsten tabakassoziierten Studie überhaupt –, eine wissenschaftliche Grundlage für die von Ihnen geforderte rigide Verbotspolitik beim besten Willen nicht hergaben und damit nicht zu den Brauchbarkeitskriterien der WHO im Kampf gegen den Tabak passen wollten. Da unsere Forschung noch dazu unabhängig war und von dem sonst so wirkungsvollen Mittel einer Steuerung des Flusses von Fördergeldern weder beeinflusst noch ausgebremst werden konnte, fielen wir dem wissenschaftlichen Bann und der Ächtung der UNO/WHO anheim, sekundiert von verschiedenen medizinischen Fachverbänden und Gruppierungen, die von der Gegnerschaft zur Tabakwirtschaft ganz gut leben und offensichtlich nicht die Absicht haben, sich von irgendjemandem die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Dabei hatten wir nur Fakten und Messergebnisse vorgetragen.

Genau das scheint der Apparat, dem Sie angehören, aber wie der Teufel das Weihwasser zu fürchten, denn alle publizierten Ergebnisse müssen offenbar unbedingt zu denen passen, die auf Basis der mathematischen Modelle bisheriger WHO-Epidemiologie errechnet wurden. Zu den Merkwürdigkeiten der heutigen Forschung, die mir in diesem Zusammenhang auffielen, gehört nämlich, dass zum Beispiel gerade die größte Datensammlung zur Kindergesundheit in Deutschland (KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts) zwar auch eine akribische Auswertung über die Passivrauchbelastung von Kindern enthält, die von überdurchschnittlicher Qualität im Vergleich zu den meisten sogenannten Studien ist, da sie nicht nur auf reinen Befragungen der Eltern oder der Kinder basieren, sondern auch auf den Cotininwerten der Kinder. Die als vermeintlich bewiesene Tatsache postulierte höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit von Kindern in Raucherhaushalten hätte damit einen qualitativ einwandfreien Nachweis finden können. Nur wurde dies merkwürdigerweise gar nicht ausgewertet; jedenfalls gibt es dazu keine Publikation.

Ähnliches lässt sich auch für die DEGS-Studie aus demselben Hause sagen, in der die Gesundheit der Erwachsenen unter die Lupe genommen wurde. Alle möglichen Aspekte der Gesundheit, die man sich nur vorstellen kann, sind dabei Gegenstand von Untersuchungen gewesen, von der Allergie bis zur Depression und vom Schlaganfall über Herzinfarkt bis Diabetes. Ebenso war auch das Rauchverhalten ein offenbar so wichtiges Thema, dass ihm eine eigene Teilpublikation gewidmet wurde. Was aber auffallenderweise bei den einzelnen ausgewerteten Erkrankungsarten durchweg fehlt, ist der Rauchstatus. An fehlenden Daten kann dies kaum gelegen haben. Haben Sie irgendeine Erklärung dafür, warum ausgerechnet so naheliegende Auswertungen unterblieben sind? Ich jedenfalls habe den Verdacht, dass deren Ergebnisse nur schlecht zu Ihren eigenen Ergebnissen gepasst hätten und deshalb für nicht publikationstauglich befunden wurden. Das aber führt wieder zu der Frage zurück, welcher gesundheitspolitische Gegenwert dem angestrengten Ignorieren unliebsamer wissenschaftlicher Erkenntnisse eigentlich gegenübersteht.

Es mag sein, dass Raucher früher sterben, wenn das auch nicht unter allen Rahmenbedingungen zuzutreffen scheint, dies jedenfalls deuten unsere Forschungen unter den Kellnern an. Aber leben die Nichtraucher, die dank Ihrer Bemühungen das Rauchen nie angefangen haben, oder die Ex-Raucher, die dank Ihrer Bemühungen das Rauchen wieder aufgegeben haben, wirklich länger und/oder in besserer Lebensqualität? Parallel zu dem Rückgang des Bevölkerungsanteils der Raucher nimmt schließlich der Konsum anderer, nicht weniger bedenklicher Substanzen (Designerdrogen, Ritalin, Antidepressiva) und ebenso die Entwicklung von riskanten Verhaltensweisen mit Suchtcharakter zu (exzessiver Ausdauersport, exzessive Arbeitsbelastung). Es wäre fahrlässig, die Faktoren, die hier eine Rolle spielen, von den zahllosen anderen Risikofaktoren bis zu den genetischen Prägungen, die unser Leben begrenzen, einfach unter den Tisch fallen zu lassen, nur weil mit dem Rauchen ein so bequemer Sündenbock gefunden wurde.

Dass Sie Ihre Rolle als Leiterin des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle als einer nicht wissenschaftlich, sondern politisch mit dem Ziel der Beeinflussung von Politik, Medien und Öffentlichkeit arbeitenden Institution vorbildlich im Sinne Ihrer Auftraggeber ausgefüllt haben, ist angesichts des momentanen Stands bei Gesetzgebung, Rechtsprechung und öffentlicher Meinung offensichtlich. Dies alles betrifft aber längst nicht mehr nur die Raucher. Die Verfahren und Strategien, die im Kampf gegen die Raucher und die Tabakindustrie so erfolgreich umgesetzt wurden, werden ja längst auch auf Alkohol, Lebensmittel und andere Genussmittel übertragen. Die WHO-Doktrin zum Alkohol wollte aber einer Ihrer Mitstreiter gegen das Rauchen, Professor Keil aus Münster, dann schon nicht mehr mittragen.

Sie hingegen scheinen weniger Berührungsängste zu haben. Schaut man auf das Programm der im Dezember anstehenden Konferenz für Tabakkontrolle, findet man auch folgenden Programmpunkt: „10 Jahre Tabakrahmenkonvention, 5 Jahre Aktionsplan Übergewicht – Was ist übertragbar?“ Darunter werden zum Beispiel Vorträge angekündigt mit dem Titel: „Regularien am Beispiel Lebensmittelsteuer „gegen“ Übergewicht und Tabaksteuer und Rauchverhalten“ oder „Individuelle und gesellschaftliche Verantwortung am Beispiel Adipositas“.

So, wie es aussieht, sind Sie also sogar schon mittendrin in der Organisation der wissenschaftlichen Grundlage für eine spätere Hexenjagd auf Übergewichtige. Und die trifft Sie und mich möglicherweise eines Tages auch persönlich – eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Ihnen und mir. Wenn wir uns dann beide im Lager der Verfolgten und Diskriminierten wiederfinden, wie gehen wir damit dann um? Sollen wir dann das Rauchen anfangen , um dem Idealgewicht näherzukommen? Oder sollen wir uns gar zusammentun und versuchen, gemeinsam, zum Beispiel mit Verweis auf das „Adipositas-Paradoxon„, das uns ja zu einer Lebenserwartung verhelfen kann, die diejenige von Normalgewichtigen übertrifft, die Lehrmeinung anzugreifen, die uns mit aller Gewalt von einer Sache heilen will, die in Wirklichkeit einen Überlebensvorteil bietet?

Sie sollten einmal ernsthaft mit sich zu Rate gehen, ob Sie für die längerfristigen gesundheitspolitischen Konsequenzen Ihres beruflichen Wirkens wirklich die Verantwortung tragen wollen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Man macht sich sein Leben wahrhaftig nicht einfacher, wenn man sich weigert, die Wahrheit nach momentaner Opportunität zu verbiegen. Aber letztlich schläft man doch sehr viel besser. Und wie schon Bertolt Brecht wusste: Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.

Mit kollegialen Grüßen

Prof. Dr. med. Romano Grieshaber

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26 Antworten zu Offener Brief an Frau Dr. Martina Pötschke-Langer

  1. Iris Hober schreibt:

    Ein grandioser Bericht der sehr empfehlens wert ist.Vielen Dank dafür. LG Iris

  2. Pingback: So mal von Kollege zu Kollegin. » Rauchen NRW

  3. Alan Fletcher schreibt:

    Auch die Tatsache, das ca. 2 Millionen z.T. starken Raucher über die letzten 3 bis 4 Jahre auf die weitaus weniger gefährliche e-Zigarette umgestiegen sind, scheint Fr. Dr. P.L. nicht zu erfreuen. Im Gegenteil, sie versucht bei jede Gelegenheit mit unwahre Behauptungen, die e-Zigarette zu diskreditieren. Sie behauptet fälschlicherweise, das e-Zigaretten krebserregende Substanzen enthalten….und das obwohl Nichtrauchern die gleichen Substanzen in die gleichen Mengen über ihre Atemwege ausscheiden. Hinzu kommen absurde Behauptungen, das e-Zigaretten zum inhalieren von Viagra und Cannabis misbraucht werden. Warum sollte jemand auf die Idee kommen Viagra zu inhalieren wenn es bereits als fertige Tablette vorliegt?? Cannabis wiederum ist ölhaltig und kann somit nicht verdampft werden ohne die Verdampfer im e-Zigarette sofort zu zerstören. Aber weil es mittlerweile fast keine Journalisten gibt, die selber recherchieren, werden solche Stories von einem angesehenen Institut (D.K.F.Z.) ungeprüft weitergegeben.

  4. Monika Müller-Klar schreibt:

    GRANDIOS!!!! DANKE!

  5. Holger Novac schreibt:

    und dieser faden zieht sich über und durch die gesamten volksvertreter.. Wahlen ???? neee…Menschen die würdig sind uns und unsere anliegen zu vertrehten..ein wecksel der ansichten und nicht ein wecksel der partei bringt etwas…opwohl ..egal wer dranne kommt..soviel wie angie fürs eigene volk geschaft und getan hat , wierd jeder schafen…
    ich wünsche mier was anderes , das volk ist geistig weiter alls diejenigen die es meinen vertreten zu können..gruss holger…ps nur meine meinung..

  6. Bernd Palmer schreibt:

    Ich hoffe, Frau Dr. Pötschke-Langer wird sich über die kollegialen Grüsse freuen.
    Die Frage nach der Motivation, die Frau M.P.L. dazu treibt, losgelöst und unbekümmert von Fakten immer neue Angriffe auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu reiten, habe ich mir auch schon gestellt. Ich kann es nicht nachvollziehen, wie man sein Leben bereichern kann, indem man Mitmenschen vorschreibt, wie sie leben sollen.

  7. Bruna Arend schreibt:

    Vielen Dank – so perfekt alles zusammengefasst!
    Mich macht es so wütend und traurig: Sie wird überaus gut bezahlt von unserem Geld und wäre doch eigentlich verpflichtet, „… einmal ernsthaft mit sich zu Rate (zu) gehen, ob Sie für die längerfristigen gesundheitspolitischen Konsequenzen Ihres beruflichen Wirkens wirklich die Verantwortung tragen wollen“ – und nicht nur mit sich, sondern ebenso wäre sie doch eigentlich verpflichtet, endlich mal öffentlich Rechenschaft abzulegen über ihr Tun!
    Denn das, was sie macht, betrifft ja nicht nur die Raucher, es betrifft uns alle: Da wird Geld sinnlos verschleudert, das bei der Suchtprävention fehlt; da wird die Gesellschaft gespalten; da werden Existenzen vernichtet; da wird durch das Hochspielen fiktiver Gefahren von den tatsächlich lebensbedrohenden Gesundheitsgefahren abgelenkt usw. usw.

  8. beobrigitte schreibt:

    Aber leben die Nichtraucher, die dank Ihrer Bemühungen das Rauchen nie angefangen haben, oder die Ex-Raucher, die dank Ihrer Bemühungen das Rauchen wieder aufgegeben haben, wirklich länger und/oder in besserer Lebensqualität?

    Laut Tabakkontrolle ist die Lebenserwartung von Rauchern um 10 Jahre verkuerzt. Hier stellt sich die Frage, WOHER Tabakkontrolle so genau WEISS, in welchem Jahr ich – als Raucher – sterben wuerde, waere ich Nichtraucher. (?)
    Weiterhin: Warum werden altersbedingt auftretende Krankheiten dem Tabakgenuss in die Schuhe geschoben?

    Parallel zu dem Rückgang des Bevölkerungsanteils der Raucher nimmt schließlich der Konsum anderer, nicht weniger bedenklicher Substanzen (Designerdrogen, Ritalin, Antidepressiva) und ebenso die Entwicklung von riskanten Verhaltensweisen mit Suchtcharakter zu (exzessiver Ausdauersport, exzessive Arbeitsbelastung).

    Die Langzeitwirkung von Psychopharmaka (sowie Praeventativmedikation, z.Bsp. Statine) scheint sogar weitaus erschreckender als alte Menschen, von denen man verlangt, dass sie sich vor die Tuer im Altersheim schleppen, um eine Zigarette zu rauchen.
    Exzessiver Ausdauersport (z.Bsp. Marathon) sowie exzessive Arbeitsbelastung (sehr oft sind diese ueberbelasteten Menschen auf laengere Zeit krank geschrieben; im schlimmeren Fall werden diesen Menschen Psychpharmaka verschrieben und oft ended dieses in Suizidversuchen – mehr oder weniger erfolgreich) verursacht Todesfaelle von jungen Menschen.

    Man muss sich hier schon fragen: Moechte ich in einer solchen Gesellschaft alt werden?

  9. Udo Laschet schreibt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Grieshaber,

    zunächst einmal danke ich Ihnen für Ihre äußerst eloquenten Worte, die Sie an Frau Dr. Pötschke-Langer richten konnten. Nicht jeder, der ihr schrieb, erhielt in ebenfalls eloquenter Weise Antwort; selbst wenn der Kern vieler Anschreiben an Frau Dr. Pötschke-Langer die gleiche Thematik enthielt, die Sie nun aufgreifen.

    Sie wissen dies sicherlich, Herr Dr. Grieshaber, Sie werden (wenn überhaupt) eine ähnliche Antwort erhalten, denn Frau Dr. Pötschke-Langer fühlt sich ja bekanntlich dazu berechtigt, vielleicht auch dazu berufen, sich einer großen Unterstützung wähnend, ihre Thesen einer unangemessen großen Öffentlichkeit vorzutragen. Und dies, selbst im erfolgreichen Widerspruch, ohne einen Zweifel an ihrer Fähigkeit, ihrer Kompetenz, oder ihrer Arbeitsweise zuzulassen.

    Und falls dann die zur Verbreitung dieser Thesen missbrauchten Medien Aussagen verbiegen und verfälschen, so sollte es doch im Interesse jedes methodisch vorgehenden Wissenschaftlers sein, in Hinsicht auf die eigene Reputation Widerstand gegen verfälschende Publikationen zu leisten. Hiervon ist selbstverständlich bei Frau Dr. Pötschke-Langer nichts spürbar, denn es scheint ja tatsächlich in ihrem Interesse zu sein, wenn sich der Sensations-Journalismus nicht allzu sehr an die Buchstaben der allgemeinverständlich-wissenschaftlichen Publikationen des Deutschen Krebsforschungszentrums hält. Man wähnt in Frau Dr. Pötschke-Langer leider die eine, die einzige Koryphäe, wahrscheinlich, weil sie „everbodys darling“ ist. Denn bei näherer Betrachtung der wissenschafltichen Leistung, gerade Frau Dr. Pötschke-Langer betreffend, müsste man zu einem gänzlich anderen Ergebnis kommen.

    Von wissenschaftlicher Methodik kann bei Frau Pötschke-Langer nun tatsächlich keinesfalls mehr die Rede sein, dies wissen Sie, Herr Dr. Grieshaber, und dies ahnt bereits seit langer Zeit eine Vielzahl politisch-wissenschaftlich interessierter Konsumenten elektrischer Zigaretten. Sehr viel eher sind die Früchte der Pötschke-Langer’schen Arbeit Ergebnis einer ausgeklügelten Strategie, die sich auf die Zurückhaltung von Sachverhalten oder die gezielte Desinformation spezialisiert hat. Doch irgendwie scheint Frau Dr. Pötschke-Langer sich stets auch selber zu widersprechen, oder sie scheint selbst Fehler absichtlich zu streuen, vielmehr wirkt es mittlerweile so, denn gerade Frau Dr. Pötschke-Langers Aussagen zur elektrischen Zigarette in der Öffentlichkeit wirken wenig kohärent.

    Nur, wie ist dieser schon ziemlich schrägen, und in Hinsicht auf die Verhinderung einer weiten Verbreitung elektrischer Zigaretten auch gefährlichen, Präventionstaktik der Weltgesundheitsorganisation beizukommen? Wie kann eine Person in die Schranken gewiesen werden, die sich ungefragt und ungewollt dazu berufen fühlt, große Politik zu machen? Welche Einflüsse stehen hinter dieser einen Person in Heidelberg, die dazu geeignet sind, einen Bann über alle gegensätzlichen Sachverhalte, Erfahrungen, Meinungen und Ansprüche zu werfen?

    Ich wünsche mir so sehr, Herr Dr. Grieshaber, Sie würden in einem Ihrer zukünftigen Beiträge im Speziellen auf diese Einflussnahme, auf diese nur sehr schwer greifbare Legitimation der Frau Dr. Pötschke-Langer, näher eingehen. Denn wir lesen alle bereits aus diesem offenen Brief heraus, dass Sie sehr viel mehr Erfahrung mit dieser Materie haben, als sich ein nicht-akademischer Leser vorstellen kann. Vor allem scheint zwischen Ihren Zeilen zu stehen, dass Sie mehr Erfahrungen machen mussten, als Ihnen vielleicht lieb gewesen wäre. Doch, von einer Vielzahl von Menschen geprüft, und von einer Vielzahl von Menschen vorgetragen, so schätze ich, dass aufgrund Ihrer Kenntnisse ein zukünftiger Stand der Pötschke-Langer schwerer wäre, wüssten mehr Menschen, von welchen Begrifflichkeiten an dieser Stelle eigentlich die Rede ist.

    Frau Dr. Pötschke-Langer wäre gezwungen, ihre Thesen – denn sehr viel mehr könnte niemand nach ihren eigenen publizistischen Fehlleistungen der Vergangenheit mehr darin sehen – endlich wissenschaftlich-methodisch zu belegen. Dies könnte sie bereits heute, müsste sie nicht befürchteten, ihre sämtlichen, bisherigen Aussagen zu revidieren. Doch bezieht sich Frau Dr. Pötschke-Langer auch weiterhin fast ausschließlich auf das Zitat von Dritt-Studien mit zweifelhaftem, und auch nicht mehr einer tatsächlichen Realität entsprechendem Inhalt.

    Ich hoffe, Herr Dr. Grieshaber, sie werden für alle Konsumenten elektrischer Zigaretten dazu beitragen können, die Hintergründe der WHO-Kollaboration näher zu betrachten, als es uns aufgrund reiner Thesen möglich wäre. Wir – die Konsumenten elektrischer Zigaretten – schätzen bereits mit Hochachtung vor Ihnen, wie Sie bereits mit diesem Offenen Brief Frau Dr. Pötschke-Langer entgegnet haben.

    Mit bestem Gruß
    Udo Laschet

  10. Bernd Palmer schreibt:

    Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. befasst sich hauptsächlich mit der Publikation von medizinischen Leitlinien und wissenschaftlichen Studien für Kardiologen:
    „Mit unserem neuen Internet-Portal http://www.kardiologie.org kommt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ihrer Verpflichtung nach, die Ärzteschaft über alle Innovationen im kardiovaskulären Umfeld auch online zu informieren“, so Professor Dr. Eckart Fleck, geschäftsführender Herausgeber für die DGK.
    „Springer Medizin als erfahrener und führender Partner an unserer Seite macht es möglich, dass gesichertes Expertenwissen über neueste Entwicklungen zeitnah für 30.000 Fachleute in Klinik und Praxis abrufbar wird.“

    Zumindest eine dieser Studien wird diesem Anspruch nicht gerecht und liegt weit unter dem Niveau, das man von einer Gesellschaft für Kardiologie erwarten dürfte. Dies ist Anlass für einen offenen Brief meinerseits. Ich bin gespannt auf die Antwort.

    ————————————————————
    Sehr geehrter Herr Professor Fleck,

    Ich beziehe mich auf die Publikation der DGK:
    Rauchverbote wirken: Herzinfarktrate geht zurück
    http://dgk.org/pressemitteilungen/2013-esc-congress/2013-esc-aktuelle-pm/tag3/rauchverbote-wirken-herzinfarktrate-geht-zuruck/

    die sich ihrerseits auf ein an der ESC-Konferenz 2013 präsentiertes Papier bezieht
    STEMI incidence falls in Southern Switzerland after smoking ban implemented
    http://www.escardio.org/about/press/press-releases/esc13-amsterdam/Pages/incidence-stemi-after-public-smoking-bans.aspx

    Wie nachstehend dargestellt, weist dieses Papier einige Unstimmigkeiten auf, die man klären müsste, bevor es zur Publikation insbesondere für die Medien freigegeben wird.

    Ein Trend? Welcher Trend?

    Wenn man über die in der Studie gezeigte Grafik eine Trendlinie (angenähert) legt, erkennt man leicht, dass es sich um einen fortlaufenden Trend ohne Besonderheiten handelt. Die Schwankungen erklären sich leicht durch die geringe Zahl von Fällen.
    Die Prozentwerte über den blauen Säulen beziehen sich auf den Mittelwert der 3 roten Säulen, damit fallen die Prozentwerte höher aus, als sie eigentlich sind. Die Resultate sind „geschönt“.
    https://docs.google.com/file/d/0B-A2LKQDjVQbQUllaUE1NllpNjA/edit?usp=sharing

    Rauchverbot gut für Rentner?
    Aus der altersstandardisierten Grafik ist nur die Kurve für Männer über 65 bemerkenswert. Es ist kaum anzunehmen, dass diese Altersklasse zu den übermässig Passivrauch ausgesetzten Fällen gehört, zumindest dürfte sich darunter kaum Servierpersonal finden. Auch ist der Anteil an Frauen bei Servierpersonal beträchtlich höher, das Rauchverbot scheint aber keinen Wirkung zu haben.
    Bemerkenswert ist allerdings der Ausreisser 2005-06; dem Passivrauch kann er kaum zugeordnet werden. Solange man diesen Ausreisser nicht erklären kann, ist es müssig, für andere Variationen den Passivrauch verantwortlich zu machen.
    Man beachte auch, dass der stärkste Abfall zwischen 2005-06 und 2006-07 stattfindet, also noch vor dem Rauchverbot. Gibt es dafür eine Erklärung?
    https://docs.google.com/file/d/0B-A2LKQDjVQbY0lZNVVnSDBMTm8/edit?usp=sharing

    STEMI oder NON-STEMI?
    Die Tessiner Studie beschränkt sich auf STEMI-Fälle. An der ESC-Konferenz 2011 wurde der Studienautor Di Valentino gefragt, weshalb er nur die STEMI-Fälle zeige.
    http://assets.escardio.org/webcasts/default.aspx?id=ESC2011/3047
    Er gab als Grund an, dass die Diagnosemethode ab 2007 durch den zunehmenden Einsatz von Troponin I beträchtlich verbessert wurde. Auch die Differenzierung zwischen STEMI und NSTEMI hat sich dank verbesserter Diagnosehilfen im Lauf der Zeit geändert.

    “ …In fact, there is actually no clear line that inherently divides STEMI, NSSTEMI, and unstable angina. Where cardiologists draw the line between a STEMI and an NSTEMI, or between an NSTEMI and unstable angina, is a relatively arbitrary decision. Indeed, the definitions of these three types of ACS have changed substantially over the years,“
    Richard N. Fogoros, M.D.

    Es gibt keinen biologischen Grund, warum sich Rauchverbote nicht auch auf NSTEMI-Fälle auswirken sollten. Die Entwicklung der NSTEMI-Fälle zeigt aber eine beträchtliche Zunahme:
    https://docs.google.com/file/d/0B-A2LKQDjVQbSVlQLVExVGxuRVE/edit?usp=sharing

    Wie man durch Addition der STEMI- und NSTEMI-Fälle zeigen kann, müsste also die Zahl der diagnostizierten Herzerkrankungen signifikant zugenommen haben.
    https://docs.google.com/file/d/0B-A2LKQDjVQbeG5JclVmajRKSW8/edit?usp=sharing

    Im Gegensatz dazu zeigen die Statistiken des eidgenössischen Bundesamts, dass die Sterbeziffern für Herzerkrankungen im Tessin seit Jahren kontinuierlich fallen und vor allem, dass das Rauchverbot keine Spuren hinterlassen hat.
    https://docs.google.com/file/d/0B-A2LKQDjVQbSVZTdk03Y3RDbnc/edit?usp=sharing

    Vergleich mit anderen Kantonen
    In Ihrer Pressemitteillug wird auch der Vergleich mit dem Kanton Basel-Stadt erwähnt, in dem während der Beobachtungsperiode kein Rauchverbot galt.

    Gemäss offiziellen Statistiken nahmen in Basel-Stadt (fette gestrichelte blaue Linie) die Sterbeziffern zwischen 2006 und 2008 signifikant ab, ähnlich wie im Tessin (fette gestrichelte rote Linie) und in vielen anderen Kantonen, in denen es in diesem Zeitraum kein Rauchverbot gab. Der Vergleich mit Basel-Stadt ist irrelevant.
    https://docs.google.com/file/d/0B-A2LKQDjVQbM1BlYlgzempSblE/edit?usp=sharing

    Es ist verwunderlich, dass die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie eine solche Studie publiziert, ohne sie auf ihre Plausibilität zu prüfen. Ich wende mich deshalb an Sie, geehrter Herr Professor Fleck, mit der Bitte um eine Erklärung oder Stellungnahme.
    Freundliche Grüsse
    Bernd Palmer
    Dipl. Ing. ETH

  11. Alexander Gusovius schreibt:

    Ganz herzlichen Dank für diese klaren Gedanken, die meine Skepsis vor Menschen und Institutionen mit quasi-religiösem Eifer bestärkt. Viele Grüße aus Menzingen, Kraichtal.

  12. Günter Ropohl schreibt:

    (Bitte die frühere Fassung wegen Druckfehler streichen!)
    Professor Grieshaber hat mit grossartigen Sätzen geschrieben, was mir schon seit einiger Zeit durch den Kopf geht. Nur bin ich nicht aktiv geworden, weil ich weiss, dass Pötschke-Langer sich mit Kritik nicht auseinandersetzt: Auch diesen Offenen Brief wird sie nicht beantworten. Trotzdem ist es gut, dass dieser Brief geschrieben worden ist, für all die anderen nämlich, die noch nicht wissen, mit welchen Mitteln diese Dame die Meinungsführerschaft in der Tabakdebatte erobert hat. Wenn dann, wie zu erwarten, die Antwort wieder ausbleibt, wissen alle anderen, dass Grieshaber Recht hat. Dann kann man mit dem weisen Cicero fragen: “Quousque tandem …”? Wie lange noch, Frau Dr. Pötschke-Langer, wollen Sie unsere Geduld missbrauchen?

    Streichung wurde erledigt. Gruß, der Red.

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  16. koschibaer schreibt:

    Hat dies auf Gedankenfänger.Net rebloggt und kommentierte:
    Es gibt wahrlich nur wenige Blogs, die mich beeindrucken – meiner am allerwenigsten! Dieser jedoch ist ab Sachlichkeit und Wahrheit kaum zu übertreffen.

    Auch Nichtakademikern wird hier mit klaren Worten verdeutlicht, wie Menschen sie Wahrheit verbiegen, um ihr Ziel zu erreichen. Das schlimme ist, dass selbst Träger des Bundesverdienstkreuzes, wie Frau (Dr.) Löschen-Langer sich dieses Mittels bedienen.

    Und noch schlimmer ist, dass diese Personen einen gesellschaftlichen Rang bekleiden, der sie kaum in Frage stellt.

    Eine weitere Glanzleistung ihrer unwissenschaftlichen Vorgehensweise findet sich in diesem Dokument:

    http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/Stellungnahmen/DKFZ_Stellungnahme_E-Zigarette_2014.pdf

  17. Günther Schaidt schreibt:

    Sehr geehrter Herr Professor Grieshaber,
    ich bin, mit allem Respekt zutiefst überrascht und erfreut, dass es einen solch sachlichen und wissenschaftlich fundierten Blog, wie den Ihren überhaupt gibt. Er zeigt deutlich, welche Zuneigung Sie zu sachlicher Wissenschaft und Liberalität hegen, indem Sie sich als Nichtraucher auf für Belange anderer einsetzen.
    Auch mir (lebenslanger Nichtraucher) ist die polemische, völlig unsachliche und unwissenschaftliche Vorgehensweise von Frau Pötschke-Langer unangenehm aufgefallen, auf dem Gebiet der Polyole und deren Inhalationstoxizität habe ich einige Erfahrung und was Frau PL dazu veröffentlichen lässt, ist schlicht gesagt, die vorsätzliche Unwahrheit.
    Es ist beruhigend, dass es noch kritische und couragierte Geister wie Sie gibt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günther Schaidt

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  20. Gina Burla schreibt:

    Vielen vielen Dank für diesen offenen Brief!

  21. Leider darf Frau Pötschke-Langer ihre Propaganda in allen Massenmedien ausgiebig verbreiten, Ihre Informationen, Herr Professor Grieshaber, finden hingegen leider nicht den Weg in die breite Öffentlichkeit.
    Weil gerade dieser Artikel die Tage wieder sehr aktuell ist und mich als ehemaliger Raucher und nun Dampfer seit 3 1/3 Jahren betrifft, werde ich ihn am kommenden Dienstag anlässlich des 11. #DampfDiDay empfehlen und hoffe, dass viele andere den Weg in ihr Blog finden.

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  23. Institutionen-Dampf schreibt:

    Man muss Kritik, gerade angesichts der entlarvenden Position Pötsche-Langers in bezug auf die E-Zigarette, darauf richten, dass Pötschge-Langer ja einem selbsternannten DKFZ- INSTITUT vorsteht.
    WENN also die Position von Pötschge-Langer sehr danach aussieht, lobbyistisch beauftragt bzw. dienlich zu sein, dann muss doch gefragt werden, wie es mit dem eigentlichen Hintergrund dieses Instituts aussieht?!

    Spenden und öffentliche Gelder en masse: aber für welche Interessen arbeitet dieses Institut denn faktisch: für die Bürger?
    Sieht es danach wirklich aus?

    Es muss die Kritik also eine institutionenorientierte sein! Die Institutionen (und hier auch konkret die institutionell fungierenden Organisationen) determinieren Lebenschancen und Lebensbedingungen der Bürger. Es gehen aber immer schon diverse Interessen ein: i.d. R. bevorzugt die der Mächtigen.
    Legitimität schaffen u.a. solche Organisationen, die vorgeben, im Dienste der Foschung unterwegs zu sein! Deswegen muss man genau hinschauen und sich äußern. Wie Prof. Grieshaber dies dankenswerterweise tut!

    ————————————————————————————————————————–
    Zur E-Zigarette s. dieses Video und insb. die Position von Prof. Mayer als gesunder Massstab!

    Auch wenn Prof. Grieshaber bzgl. des Rauchens andere wichtige Perspektiven thematisiert, so ist doch am Bsp. der Position Pötschge-Langers zur E-Zigarette (welche natürlich der Tabakzigarette vorzuziehen ist), die ja darauf rausläuft, dass starke Raucher NICHT wechseln, sehr gut und schnell zu entnehmen, dass die vorgegebenen ethischen Ziele eben nicht die wahren Ziele sein können!
    Prof. Greishaber: können Sie mal die finanziellen Hintergründe des DKFZ schildern?

  24. Alfred Ruck schreibt:

    Inzwischen habe ich den Eindruck, daß die Presse von „Bild“ bis „Spiegel“ gleichgeschaltet sind. Keine einzige Zeitung hat bis heute objektiv das Thema E- Zigarette recherchiert und darüber berichtet. Alle übernehmen sie ungeprüft Unwahrheiten. Dreiste Lügen wie die Schlagwörter „Popcornlunge“ oder Feinstaub in nicht verbrannten Flüssigkeiten sind nur die Spitze dieses Eisberges. Was für eine Presse ist das, die ihre Legitimation nur noch in reisserischer Berichterstattung findet?

  25. Pingback: Entlarvung: Wie Presse und DKFZ die Gesellschaft beeinflussen

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